Preis in Gedenken an Jörg Huffschmid zum zweiten Mal vergeben

Florian Butollo und Ingo Stützle für herausragende Arbeiten ausgezeichnet

Ein Preis, zwei Sieger: Die Jury des Jörg Huffschmid-Preises 2013 würdigte im Rahmen der Attac-Sommerakademie in Hamburg-Bergedorf zwei herausragende wissenschaftliche Leistungen. Sie übergab die Auszeichnung an Florian Butollo für seine Doktorarbeit "The End of Cheap Labour in China? Social Impact of Industrial Upgrading in the LED Industry and Textile and Garment Industry of the Pearl River Delta". Ingo Stützles Dissertation "Der ausgeglichene Staatshaushalt als Paradigma und politisches Projekt. Von der monetären Integration zur Eurokrise" konnte die Jury ebenfalls überzeugen.

Verliehen wurde die Auszeichnung vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac und seinem Wissenschaftlicher Beirat, der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, der EuroMemo Gruppe sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Der mit 2000 Euro dotierte Preis in Gedenken an Jörg Huffschmid wird alle zwei Jahre verliehen.

In seiner Doktorarbeit geht Florian Butollo der Frage nach, welche Folgen das industrielle "upgrading" in der technologisch avancierten Leuchtmittelindustrie und in der traditionellen Textil- und Kleidungsindustrie im chinesischen Perlflussdelta für die Beschäftigten hat. Birgit Mahnkopf, Professorin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, hielt in ihrer Laudatio fest: "Florian Butollo wirft mit seiner innovativen industriesoziologischen Studie Fragen hinsichtlich der Zukunft des investitionsgetriebenen chinesischen Wachstumsmodells auf, von deren Beantwortung nicht allein die soziale Stabilität und die Bekämpfung von Armut und ökonomischer Ungleichheit in der chinesischen Gesellschaft abhängig ist." Ein zentraler Befund der Arbeit besagt, dass in den untersuchten Branchen erhebliche Investitionen in die technologische Entwicklung und in die Mangementsysteme geflossen sind, ohne dass sich dadurch die Beschäftigungssituation von hunderttausenden Angestellten im Perlflussdelta verbessert hätte. Mahnkopf weiter: "Daher wird sich die Zukunft des chinesischen Entwicklungsmodells, und hier kann Florian Butollo an Jörg Huffschmid anknüpfen, letztlich daran entscheiden, welche Rolle die chinesische Arbeiterbewegung in Zukunft spielen wird. Denn von ihr und von einer aktiven Rolle frei gewählter Gewerkschaften dürfte wesentlich abhängen, ob das Ende von 'Cheap Labour' in China zugleich einen Weg zur Überwindung der Krise des Kapitalismus weist oder, wofür heute tatsächlich mehr spricht, diese Krise, die eine sozial-ökologische ist, zu einer Krise des Systems werden lässt."

Als zweiter Preisträger des Abends analysiert Ingo Stützle in seiner Arbeit die Durchsetzung des Paradigmas des ausgeglichenen Staatshaushalts innerhalb der europäischen Verträge und erkennt in diesem Leitbild ein "politisches Projekt" in den Kämpfen um Hegemonie in Europa, dessen "ökonomische Notwendigkeit" höchst zweifelhaft sei. Peter Herrmann, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von Attac, stellte fest, dass die mittlerweile unter dem Titel "Austerität als politisches Projekt" erschienene Arbeit Ingo Stützles dem Wissenschaftsverständnis Jörg Huffschmids hervorragend Rechnung trage: Der Preisträger begreife "wissenschaftliche Arbeit als kritische Analyse, die auf Änderung gesellschaftlicher Realität abzielt". Die Jury habe die Arbeit genau in diesem Sinne verstanden und möchte sie daher mit dem Jörg-Huffschmid-Preis fördern.

Die Einrichtung des Preises würdigt das wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Engagement des 2009 gestorbenen Jörg Huffschmid. Dieser rief 1975 die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik mit ins Leben, die so genannte Memorandum-Gruppe. 1995 gehörte er zu den Mitgründern der Europäischen Memorandum-Gruppe und 2002 des Wissenschaftlichen Beirates von Attac. Als Vertrauensdozent und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats war er für die Rosa-Luxemburg-Stiftung engagiert. Jörg Huffschmid hat mit seinen Analysen der globalisierten Finanzmärkte und Arbeitswelten sowie der Europäischen Integration ganz wesentlich zur analytischen Unterfütterung der globalisierungskritischen Bewegung beigetragen.

2011 wurde der Preis erstmals an Nicola Liebert für ihre Arbeit "Determinanten einer nachhaltigen Steuerpolitik im Kontext der Globalisierung" verliehen.

 

Memorandum 2017

Statt „Germany first“:Alternativen für ein solidarisches Europa

 

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