Preis in Gedenken an Jörg Huffschmid zum dritten Mal vergeben

Pavlina Miteva und Sebastian Prantz ausgezeichnet

Wie schon 2013 wurden von der Jury des Jörg-Huffschmid-Preises (der alle zwei Jahre von der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac und seinem Wissenschaftlichen Beirat, der EuroMemo Gruppe sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung verliehen wird und der mit 2000 Euro dotiert ist) auch 2015 zwei Preisträger gekürt.

Mit dem Preis, der in Gedenken an Prof. Dr. Jörg Huffschmid Preis ausgelobt wird, werden in diesem Jahr zwei Diplom- bzw. Masterarbeiten ausgezeichnet.

Sebastian Prantz hat seine 120 Seiten umfassende Diplomarbeit "Finanzmarktliberalisierung und Finanzkrisen. Krisenanfälligkeit des chinesischen Finanzsystems?" (angestrebter Grad: Magister) 2014 an der Uni Wien im Studiengang "internationale Entwicklung" eingereicht.

Sebastian Prantz geht in seiner Diplomarbeit der Frage nach, warum China bislang von Finanzkrisen verschont blieb. Damit nimmt er Jörg Huffschmids Schwerpunktthema Finanzmarktpolitik auf, wendet sein Analyseinstrumentarium an und führt seinen interdisziplinären Ansatz fort. In seiner Laudatio für Sebastian Prantz lobte der Bremer Ökonom Rudolf Hickel ausdrücklich die Qualität der Arbeit von Sebastian Prantz und hielt darüber hinaus fest: "Der Jörg-Huffschmid-Preis ist ein Signal gegen den Verlust kritischer Wirtschaftswissenschaften an deutschen Universitäten".

Als zweite Preisträgerin wurde Pavlina Miteva für ihre Masterarbeit "The Impact of the Increasing Demand for Biofuels in the EU on the Possibility to Conduct Collective Action for Reaching a Common Good - The Changes in the Community-based Management of the Common Pastures in Ethiopia" ausgezeichnet, die sie 2014 an der Hochschule für Wirtschaft und Recht eingereicht hat. Die Mazedonierin Pavlina Miteva analysiert die negativen Auswirkungen der EU-Politik zu erneuerbaren Energien auf die tradierte Weidewirtschaft in Äthiopien. Sie untersucht mithilfe der Prinzipien der Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom, wie die sozialen Zusammenhänge, die kollektiven Eigentumsverhältnisse und die Bewirtschaftung der Gemeingüter durch die Agrartreibstoffpolitik der EU zerstört werden.

Der Ökonom Thomas Sauer betonte in seiner Laudatio für Pavlina Miteva: "Die beiden ausgezeichneten Arbeiten zeigen, dass sich Nachwuchskräfte mit hochaktuellen Themen beschäftigen und einen kritischen Blick darauf haben."

Das Jury-Mitglied Christa Wichterich aus Bonn, die ein Dankesschreiben von Pavlina Miteva, die leider nicht persönlich bei der Preisverleihung anwesend sein konnte, vorlas, resümierte: "Mit der Verleihung des Jörg-Huffschmid-Preises werden junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ermutigt, der vorherrschenden Mainstream-Ökonomie entgegenzutreten."

Die Einrichtung des Preises würdigt das wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Engagement des 2009 gestorbenen Jörg Huffschmid. Dieser rief 1975 die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik mit ins Leben. 1995 gehörte er zu den Mitgründern der EuroMemo Gruppe und 2002 des Wissenschaftlichen Beirates von Attac. Als Vertrauensdozent und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats war er für die Rosa-Luxemburg-Stiftung engagiert. Jörg Huffschmid hat mit seinen Analysen der globalisierten Finanzmärkte und Arbeitswelten sowie der Europäischen Integration ganz wesentlich zur analytischen Unterfütterung der globalisierungskritischen Bewegung beigetragen.

2011 wurde der Preis erstmals an Nicola Liebert für ihre Arbeit "Determinanten einer nachhaltigen Steuerpolitik im Kontext der Globalisierung" verliehen. 2013 ging der Preis zu gleichen Teilen an Florian Butollo für seine Dissertation "The End of Cheap Labour in China? Social Impact of Industrial Upgrading in the LED Industry and Textile and Garment Industry of the Pearl River Delta" und an Ingo Stützle für seine Dissertationsarbeit "Der ausgeglichene Staatshaushalt als Paradigma und politisches Projekt. Von der monetären Integration zur Eurokrise".

(Text und Fotos: Stefan Thimmel)


Weitere Bilder

 

Memorandum 2017

Statt „Germany first“:Alternativen für ein solidarisches Europa

 

Informiert

Sie möchten auf dem Laufenden bleiben? Ganz einfach per Abo:

» Newsletter
» RSS-Feed
Aktuelles
Teilen
Share |